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Himalaya - Die legendäre Nanga-Parbat-Expedition in neuem Licht

Diamir, „König der Berge“, oder auch Nanga Parbat, der „Nackte Berg“, nennen ihn die Einheimischen in Pakistan. Die westliche Welt kennt ihn fast ausschließlich unter dem Namen Nanga Parbat, auch „Schicksalsberg der Deutschen“ genannt. Bis der „König der Berge“ 1953 erstmals nach einem unglaublichen Alleingang von Hermann Buhl über den Silbersattel bestiegen wurde, hatte er bereits 31 Menschenleben gefordert.

Nachdem die höchsten Gipfel der Welt erstiegen waren, wandte sich das Interesse ihren schwierigsten Wänden zu. Und da gab es eine Wand, die alles Bisherige in der Bergwelt in den Schatten stellte: Die Rupalwand des Nanga Parbat – die höchste Steilwand der Erde, bestehend aus 4.500 Höhenmeter Fels und Eis, in großen teilen senkrecht, mit Passagen schwierigster Kletterei noch in Höhen der berüchtigten „Todeszone“ – eine Herausforderung, von der Hermann Buhl seinerzeit geradezu erschrocken sagte, als er ihrer ansichtig wurde: „Ein Versuch alleine schon wäre Selbstmord.“

Doch 1970 gelang auch die Erstbesteigung dieser „undenkbaren“ Wand. Vier Bergsteiger erreichten den Gipfel. Aber der Berg forderte hierbei sein 33. Opfer, den erst 24 Jahre alten Günther Messner. Die Mannschaft bestand hauptsächlich aus sehr jungen, viel versprechenden Extrembergsteigern, die nicht lange gebeten werden mussten, dem Fieber dieses "Schicksalsberges" zu verfallen. Einer von ihnen war der heute in Pucón, Chile, lebende, damals 22-jährige Hans Saler, dem bereits mit vierzehn Jahren im Alleingang namhafte Wände und Erstbegehungen gelangen. Auch Reinhold Messner und sein jüngerer Bruder Günther waren mit von der Partie, neben fünfzehn weiteren Teilnehmern. Reinhold Messner gelang später die erste Besteigung aller 14 Achttausender und die erste Besteigung des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff.

Die Expeditionsteilnehmer gaben in der Rupal-Wand trotz harter Rückschläge ihr Bestes, um doch noch eine letzte Gipfelchance zu nutzen. Peter Scholz und Felix Kuen sollten das erste Gipfelteam bilden. Doch Reinhold Messner stieg vor ihnen alleine zum Gipfel auf. Wenige Stunden später folgte ihm eigenmächtig sein Bruder Günther. Irgendwann im weiteren Verlauf der Geschehnisse endete dessen Leben.

Reinhold Messner hingegen gelang das "Unmögliche": Er überschritt den Nanga Parbat - nach eigener Darstellung "aus der Not heraus" und gemeinsam mit seinem Bruder Günther, der dieses Abenteuer nicht überlebte.

An der Wahrheit dieser Aussagen bestehen jedoch berechtigte Zweifel. Reinhold Messner nimmt sich selbst die eigene Glaubwürdigkeit, indem er seit über drei Jahrzehnten unlogische, widersprüchliche und immer wieder neue Versionen zu den Geschehnissen verbreitet.

Es spricht außerdem absolut nichts dafür, mit einem angeblich durch Höhenkrankheit geschwächten Bruder „aus der Not heraus“ über eine mehr als 3000 m hohe, unbekannte, sehr schwierige und äußerst Lawinen- und Steinschlag gefährdete Wand – und damit weit eher „in die Not hinein“ – abzusteigen. Dagegen hätte er auf der Route des Aufstiegs schon am nächsten Morgen Hilfe für den Bruder bekommen können. Das aufsteigende Gipfelteam Kuen/Scholz, mit dem er am folgenden Morgen noch in Sicht- und Rufkontakt kam, fragte ihn noch (über eine Distanz von 80 bis 100 Meter), ob alles in Ordnung sei. Messner bestätigte dies mit den Worten: „Ja, alles in Ordnung!“ Sein Bruder wurde bei diesem Gespräch nicht gesehen. Als Messner nach einer Woche alleine wieder zur Expedition stieß, war seine erste Frage an die Kameraden: „Wo ist Günther?“ Er wusste es anscheinend selbst nicht. Später gibt er sehr widersprüchliche Erklärungen über den Tod seines Bruders ab, angeblich soll dieser am Wandfuß der Diamir-Seite von einer Eislawine erschlagen worden sein, doch auch hierin variieren die Aussagen eklatant. Nur eines scheint sicher: Sie waren beide noch zusammen am Gipfel.

Reinhold Messner beschuldigte nach der Expedition den Leiter Dr. Herrligkoffer der fahrlässigen Tötung, verlor aber vor Gericht alle 14 Prozesse gegen ihn und musste sein Buch „Die rote Rakete“ vom Markt nehmen, das er über die Nanga-Parbat-Expedition geschrieben hatte.

Dreißig Jahre hatten die Teilnehmer von damals über die Widersprüche und Fragwürdigkeiten in Reinhold Messners Version der Geschehnisse geschwiegen. Dieses Schweigen hat ein Ende, weil Messner seit Oktober 2001 die ehemaligen Expeditionsteilnehmer mehrfach und auf zweifelhafte Weise der unterlassenen Hilfeleistung beschuldigt – auch wenn er dies ebenso oft wieder leugnet. Letztendlich sind es diese unhaltbaren Vorwürfe, die Hans Saler dazu veranlassten, sein Buch „Zwischen Licht und Schatten“ zu schreiben.

Vieles spricht dafür, dass die Entscheidung, auf der Diamirseite abzusteigen, nicht – wie von Reinhold Messner immer wieder behauptet – “aus der Not heraus” und ausschließlich aufgrund der angeblichen Höhenkrankheit seines Bruders gefällt wurde. Denn nachgewiesen ist – dies wird von Expeditionsteilnehmern eidesstattlich bezeugt – dass Reinhold Messner während der Expedition mehrfach und sehr konkret von einem Überschreitungsvorhaben sprach und auf einem Bild der Diamir-Wand, das er bei sich trug, eine mögliche Abstiegsroute zeigte.

Was aber hat sich dort oben wirklich abgespielt?

Hans Saler beleuchtet in seinem Buch nicht nur diese Frage und die zahlreichen Widersprüche in Reinhold Messners eigenen Berichten, er erzählt auch die spannende und bewegende Geschichte der Menschen, die am Nanga Parbat dabei waren. Er rückt die Umstände von damals, die lange im Schatten lagen, in ein neues Licht. Zugleich zeichnet er ein ganz anderes, packendes und vor allem menschliches Bild dieser legendären Expedition, bei der „der Nackte Berg“ sein 33. Opfer forderte.

Noch vor der Veröffentlichung des Buches, noch bevor Reinhold Messner dessen Inhalt kannte, drohte er dem Autor und dessen Verleger über einen berühmten Staranwalt eine gerichtliche Klage an, was eindeutig dafür spricht, dass er sich vor den Enthüllungen fürchtete. Trotz der späteren gerichtlichen Klage ist es ihm nicht gelungen, das Buch vom Markt zu bekommen.

Im Januar 2004 präsentierte Reinhold Messner der Weltpresse sehr effektvoll einen Knochen, der angeblich von seinem Bruder stammt und im Jahr 2000 auf der Diamirseite gefunden wurde, und verkauft ihn als Generalrehabilitierung. Der angebliche Fundort sagt jedoch nichts darüber aus, wo genau und wie Günther Messner ums Leben kam. Der Unterschenkelknochen, ob von seinem Bruder oder nicht, steht in keinerlei Widerspruch zu den Aussagen in Hans Salers Buch. Der Knochenfund gibt keine Antwort darauf, weshalb Reinhold Messner auf der anderen Bergseite abstieg und rehabilitiert ihn in keiner Weise, so wie er das gegenüber der Öffentlichkeit hinstellt.

Auch das außergewöhnliche Leben des Autors wird in diesem Buch sichtbar, und seine wertschätzende Haltung der Welt gegenüber prägt die Schilderung dieser legendären Expedition. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels schreibt darüber: Das Buch ist großartig. Spannend, überzeugend, warmherzig, kameradschaftlich und souverän geschrieben. Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch auch irgendwann ins Spanische übersetzt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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